Im Volleyball entscheidet der Anlauf darüber, ob du den Ball in einer guten Position triffst, ob du explosiv abspringen kannst, ob dein Timing zum Zuspiel passt und ob du im Angriff wirklich Druck erzeugen kannst. Viele Spieler:innen trainieren den Angriff jedoch lange nur aus einer perfekten Situation: Perfekter Pass, genügend Zeit, klarer Rhythmus und Zeit für den vollen Anlauf.
Das Problem: Das Spiel ist selten perfekt.
Mal kommt der Pass schneller. Mal spielst du Defense. Mal musst du nach einem Block sofort wieder in den Angriff umschalten. Mal schenkt dir der Gegner einen Freeball und plötzlich hast du eigentlich genug Zeit, aber nur dann, wenn du dich richtig vorbereitest.
Genau deshalb ist es wichtig, verschiedene Anlaufformen zu kennen, zu verstehen und regelmässig zu trainieren. In diesem Beitrag schauen wir uns die wichtigsten Anlaufmöglichkeiten im Volleyball genauer an:
Und wir zeigen, warum diese Formen sowohl für Volleyballspieler:innen als auch für Coaches ein echter Gamechanger im Angriffstraining sind.
Im Volleyball ist der Anlauf die Verbindung zwischen Anlauf, Timing, Sprungkraft und Angriff. Er bringt dich in die richtige Position zum Ball und hilft dir, Energie aufzubauen. Je besser dein Anlauf zur Spielsituation passt, desto besser kannst du den Ball kontrollieren, platzieren oder hart angreifen.
Ein guter Anlauf hilft dir bei:
Kurz gesagt: Wer den Anlauf beherrscht, findet mehrere Lösungen im Spiel. Und genau darum geht es im modernen Volleyball. Nicht jede Situation braucht denselben Anlauf. Gute Angreifer:innen erkennen, was die Situation verlangt, und passen ihren Rhythmus, ihre Schrittfolge und ihre Startposition entsprechend an.
Wir erklären die Anlaufformen aus der Perspektive der Spieler:innen und der Coaches. Wenn du eine Spieler:in bist, dann klicke auf den Spieler:innen Button. Wenn du ein Coach bist, klicke auf den Coaches Button.
Als Spieler:in möchtest du natürlich möglichst oft mit vollem Tempo, perfektem Timing und maximaler Power angreifen können. Aber im Spiel bekommst du nicht immer den perfekten Pass. Deshalb reicht es nicht, nur eine Anlaufform zu kennen.
Wenn du immer gleich anläufst, obwohl die Spielsituation unterschiedlich ist, entstehen folgende typische Fehler:
Die Lösung ist nicht: schneller rennen. Die Lösung ist: besser lesen, besser entscheiden, besser anpassen.
Der 4-Step Anlauf ist heutzutage der klassische volle Angriffsanlauf. Er gibt dir genügend Zeit, um Rhythmus aufzubauen, Geschwindigkeit mitzunehmen und explosiv abzuspringen.
Diese Anlaufform kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn du genügend Raum und Zeit hast. Zum Beispiel bei einer guten Annahme, einem sauberen Zuspiel über Aussen oder einer Situation (Freeball), in der du dich früh vorbereiten kannst.
Der grosse Vorteil des 4-Step Anlaufs ist, dass du mehr Dynamik aufbauen kannst. Du hast Zeit, dich zu orientieren, deine Schrittfolge sauber zu setzen und mit den letzten zwei Schritten explosiv in den Absprung zu kommen.
Der 4-Step Anlauf eignet sich besonders für:
Wichtig ist aber: Der 4-Step Anlauf funktioniert nur dann gut, wenn du früh bereit bist. Wenn du zu spät startest, wird aus dem langen Anlauf schnell ein hektischer Anlauf. Dann verlierst du Timing, Kontrolle und oft auch Power.
Unser Next Gen Tipp: Nutze den 4-Step Anlauf, wenn du Zeit hast. Aber zwinge ihn nicht in Situationen, in denen der Ball schnell oder ungenau kommt.
Der 3-Step Anlauf ist im Volleyball extrem wichtig, weil er sehr oft in realen Spielsituationen gebraucht wird. Er ist kürzer als der 4-Step Anlauf, aber immer noch dynamisch genug, um einen starken Angriff aufzubauen.
Diese Anlaufform eignet sich besonders dann, wenn du weniger Zeit hast oder der Ball schneller gespielt wird. Viele Angriffe im Spiel entstehen nicht aus der perfekten Vorbereitung, sondern aus einer leicht verkürzten Situation. Genau hier ist der 3-Step Anlauf ideal.
Der 3-Step Anlauf kommt zum Einsatz bei:
Der Vorteil: Du bleibst schnell, kompakt und explosiv. Du brauchst weniger Raum, kannst dich trotzdem gut zum Ball orientieren und bleibst im Angriff gefährlich. Gerade für Spieler ist der 3-Step Anlauf oft die realistischste Variante im Spiel. Denn du hast selten ewig Zeit. Du musst lesen, reagieren und trotzdem angreifbar bleiben.
Unser Next Gen Tipp: Trainiere den 3-Step Anlauf nicht als „kleinen Bruder“ des 4-Step Anlaufs. Trainiere ihn als eigene, spielnahe Waffe.
Der 2-Step Anlauf ist die Lösung für enge, schnelle oder ungeplante Spielsituationen. Er kommt dann zum Einsatz, wenn du wenig Zeit hast, der Pass nicht perfekt kommt und du trotzdem noch eine gute Angriffslösung finden musst.
Viele Spieler unterschätzen den 2-Step Anlauf, weil er weniger spektakulär wirkt. Dabei ist er im Spiel unglaublich wertvoll. Denn nicht jeder Angriff muss maximal hart sein. Manchmal geht es darum, den Ball clever zu lösen, den Block anzuspielen, eine bestimmte Zone zu treffen oder den Ball mit Kontrolle im Spiel zu halten.
Der 2-Step Anlauf eignet sich besonders bei:
Der Vorteil: Du bleibst handlungsfähig. Auch wenn die Situation nicht perfekt ist, kannst du noch Druck machen oder zumindest eine gute Lösung finden. Ein guter 2-Step Anlauf zeigt Spielintelligenz. Du erkennst: „Ich habe nicht genug Zeit für den vollen Anlauf, aber ich kann trotzdem eine gute Angriffsentscheidung treffen.“
Unser Next Gen Tipp: Nicht jeder Ball braucht Vollgas. Manchmal ist die beste Aktion ein kontrollierter, cleverer Angriff mit kurzer Vorbereitung.
Eine der wichtigsten Situationen im Volleyball ist die Transition: Also der Wechsel von der Defense zum Angriff. Du verteidigst einen Ball, blockst oder bist gerade noch tief in der Feldabwehr. Und plötzlich kommt dein Team in die Möglichkeit, selbst anzugreifen. Jetzt zählt nicht nur deine Technik, sondern vor allem dein Umschalten.
Viele Spieler verharren nach der Defense zu lange. Sie schauen dem Ball nach, warten ab oder sind nicht schnell genug wieder in einer guten Angriffsposition. Genau dadurch gehen wichtige Punktchancen verloren.
Erstens: schnell reagieren. Zweitens: Abstand zum Netz und zum Ball finden. Drittens: wieder angreifbar werden.
Diese Anlaufform ist besonders wichtig für:
Der grosse Vorteil: Du wirst nach einer defensiven Aktion sofort wieder zur offensiven Option. Das macht dein Team gefährlicher, weil der Gegner nicht nur den ersten Angriff verteidigen muss, sondern auch den zweiten Ballwechsel unter Druck gerät.
Wichtig ist dabei, dass du nach der Defense nicht einfach zum Netz rennst. Du musst zuerst lesen: Wo ist der Ball? Wo ist die Passeuse oder der Passeur? Wie viel Zeit habe ich? Welche Anlaufform passt jetzt? Manchmal reicht ein 2-Step Anlauf. Manchmal brauchst du einen kurzen 3-Step Anlauf. Manchmal hast du sogar Zeit, dich neu zu organisieren und mit mehr Rhythmus anzugreifen.
Unser Next Gen Tipp: Nach der Defense ist der Punkt noch nicht vorbei. Wer schnell umschaltet, gewinnt viele Rallys.
Ein Freeball ist eine grosse Chance den Punkt zu erzielen. Der Gegner spielt den Ball kontrolliert, aber ohne Druck zu euch zurück. Das bedeutet: Dein Team hat Zeit, sich zu organisieren.
Aber genau hier passieren oft Fehler: Weil der Ball „einfach“ wirkt, werden Spieler ungenau. Die Annahme wird halbherzig gespielt. Die Angreifer bereiten sich zu spät vor. Die Passeuse oder der Passeur bekommt keinen schönen Ball. Und plötzlich ist aus einer perfekten Chance nur ein durchschnittlicher Angriff geworden. Beim Freeball muss das Ziel klar sein: aus Zeit Qualität machen.
Für Angreifer bedeutet das:
Je nach Situation kannst du beim Freeball oft den vollen 4-Step Anlauf nutzen, weil du genügend Zeit hast. Aber auch hier gilt: Qualität vor Hektik. Der Freeball ist nicht einfach ein Ball, der irgendwie zurückgespielt wird. Er ist eine Einladung, den nächsten Angriff sauber aufzubauen.
Der Vorteil: Wenn du den Freeball richtig nutzt, kannst du den Gegner sofort unter Druck setzen. Du kommst aus einer kontrollierten Situation in eine klare Angriffschance.
Unser Next Gen Tipp: Freeball heisst nicht Pause. Freeball heisst: sich organisieren, vorbereiten und angreifen.
Wenn du als Spieler verschiedene Anlaufformen beherrschst, wirst du flexibler, sicherer und gefährlicher im Angriff. Du bist nicht mehr abhängig von perfekten Pässen. Du kannst dich gut der Situation anpassen. Du bleibst auch in schwierigen Situationen angreifbar. Und du gibst deiner Passeuse oder deinem Passeur mehr Möglichkeiten.
Die grössten Vorteile für Spieler:innen:
Am Ende geht es nicht darum, immer den „schönsten“ Anlauf zu machen. Es geht darum, in jeder Situation die beste Lösung zu finden.
Für Coaches ist das Thema Anlaufformen extrem wichtig, weil es einen direkten Einfluss auf die Angriffsqualität des Teams hat. Viele Teams trainieren Angriff zu isoliert: Der Ball wird angeworfen, Spieler läuft an und es folgt der Angriff. Das ist wichtig für die Technikentwicklung, aber es reicht nicht für das Spiel.
Im Match entstehen Angriffe aus Annahme, Defense, Blockabsicherung, Freeball, schlechten Zuspielen, schnellen Bällen und chaotischen Rallys. Deshalb müssen Spieler lernen, ihren Anlauf an die jeweilige Spielsituation anzupassen.
Als Coach solltest du Anlaufformen trainieren, weil deine Spieler dadurch:
Der zentrale Punkt ist: Nicht nur der Angriff muss trainiert werden. Der Weg zum Angriff ist genauso wichtig.
Beim Training der Anlaufformen solltest du als Coach nicht nur darauf achten, ob der Ball im Feld landet. Entscheidend sind die Details davor.
Achte besonders auf:
Gutes Coaching bedeutet hier: kurze, klare Feedbacks. Nicht zehn Korrekturen gleichzeitig. Lieber ein Fokus pro Übung.
Zum Beispiel:
So lernen Spieler schneller und können die Korrektur direkt umsetzen.
Wenn unterschiedliche Anlaufformen regelmässig im Training trainiert werden, verbessert sich nicht nur die einzelne Angreifer:in. Das ganze Team profitiert davon.
Die Passeuse/Passeur bekommt mehr verlässliche Optionen. Die Angreifer:innen sind häufiger verfügbar. Die Defense weiss, dass sich der Einsatz lohnt, weil danach ein guter Gegenangriff resultieren kann. Und das Team wird insgesamt variabler und schwerer zu verteidigen.
Die wichtigsten Team-Vorteile:
Gerade im Nachwuchsvolleyball ist das entscheidend. Spieler sollen nicht nur Bewegungen kopieren, sondern Spielsituationen verstehen. Sie sollen lernen, warum sie etwas machen und wann welche Lösung Sinn ergibt.
Der perfekte 4-Step Anlauf sieht stark aus. Aber Volleyball besteht nicht nur aus perfekten Situationen. Gute Spieler können verschiedene Anlaufformen anwenden. Sie wissen, wann sie voll anlaufen können, wann sie kompakter arbeiten müssen und wann eine kontrollierte Lösung besser ist als ein erzwungener Angriff.
Gute Coaches schaffen im Training genau diese Situationen. Sie trainieren nicht nur Technik, sondern Entscheidung, Timing, Anpassungsfähigkeit und Spielverständnis. Denn am Ende gewinnt nicht immer das Team mit dem härtesten Angriff. Oft gewinnt das Team, das in jeder Situation eine gute Lösung finden kann.
Die verschiedenen Anlaufformen haben wir übrigens in einem Instagram Reel von Next Gen Academy veranschaulicht. Schau dir das Video an:
Wir haben für Volleyball Coaches drei Übungen vorbereitet, um die unterschiedlichen Anlaufformen zu üben. Klicke auf den nachfolgenden Button, um dir die Übungen für dein Training gratis herunterzuladen.