Worauf setzen wir im Training den Schwerpunkt, damit Leistung, Gesundheit und Freude am Volleyball langfristig erhalten bleiben?
Vor allem bei jungen Spieler:innen ist diese Phase entscheidend. Nicht nur im Hinblick auf Resultate, sondern vor allem für ihre sportliche Entwicklung, ihre Belastungsverträglichkeit und ihre mentale Stabilität.
In diesem Beitrag beleuchten wir, welche Trainingsschwerpunkte in der Rückrunde entscheidend sind, wie sich der Fokus je nach Saisonziel leicht verschiebt und was aus Sicht von Experten wirklich zählt. Dazu haben wir Inputs vom Athletiktrainer, Bruno Knutti, sowie vom ehemaligen international erfahrenen Profivolleyballspieler und heutigen 1. Liga-Herren-Coach des TV Murten, Gustavo Meyer Suarez, eingeholt.
Die Basis ist gelegt. Jetzt geht es nicht um eine 180°-Wende.
In der Rückrunde zahlt sich die Kontinuität aus. Bewährte Abläufe bleiben bestehen, werden aber gezielt geschärft. Kleine Anpassungen im Trainingsaufbau, klarere Zielsetzungen pro Trainingseinheit und Fokus auf Qualität statt Quantität helfen, Stabilität ins Team zu bringen.
Als Coach bedeutet das:
Die Aufgabe liegt weniger im „Mehr“, sondern im gezielten Besserwerden.
Mehr Spiele, mehr Intensität, mehr Emotionen. Die Belastung steigt gegen Ende Saison spürbar an. Vielfach kommt es während der Saison zu Verletzungen und es fallen durchschnittlich ein bis drei Spielerinnen länger aus. Gerade junge Körper reagieren sensibel auf hohe Dichte und fehlende Regeneration.
Deshalb sollte jedes Training in der Rückrunde klare präventive Elemente enthalten:
Ein sauberes Cool-down mit Atmung, Stretching und kurzer Reflexion hilft den Spieler:innen nicht nur körperlich, sondern auch mental mit dem Training abzuschliessen. Wer schneller regeneriert, kann langfristig mehr leisten und Verletzungen vorbeugen.
Wer im Spiel die richtigen Entscheidungen treffen soll, muss diese Situationen im Training erleben. Drucksituationen gehören deshalb bewusst in jede Trainingswoche: dosiert, aber konsequent.
Als Coach kannst du:
Ob isoliert oder eingebettet in den Spielformen: Entscheidend ist, dass Druck kein Zufall, sondern Trainingsinhalt ist.
Mentale Stärke entsteht nicht am Spieltag, sondern sie wächst im Training. Fehler sind dabei kein Problem, sondern ein Werkzeug. Entscheidend ist, wie darauf reagiert wird.
Deine Aufgabe als Coach:
Rituale (bspw. vor dem Service) sind dabei ein starkes Mittel. Sie schaffen Sicherheit, beruhigen das Nervensystem und fördern Selbstvertrauen (gerade in engen Spielsituationen)
Kurz gesagt: Die Basis bleibt gleich, der Feinschliff variiert.
Möglicher Team-Glaubenssatz: „Wir spielen unser Spiel, egal gegen wen.“*
Möglicher Team-Glaubenssatz: Wir machen es dem Gegner so unbequem wie möglich.“*
Möglicher Team-Glaubenssatz: „Heute spielen wir besser als letzte Woche.“*
Und ganz wichtig: Bleib ruhig. Deine Energie überträgt sich direkt auf das Team. Nervosität macht nervös – Klarheit schafft Vertrauen.
Ja, Resultate zählen. Aber als Coach trägst du die Verantwortung für mehr als den Tabellenplatz: Für die Gesundheit deiner Spieler:innen, mutige Entscheidungen, mentale Stabilität und die Freude am Volleyballspiel. Wenn diese Faktoren stimmen, folgen die Resultate meist von selbst.
Bruno hat beim Schweizer Unihockey Nationalteam ein autogenes Training ausprobiert und das kam bei den Unihockeyanerinnen sehr gut an. Nach dem Halbfinaleinzug (gegen Schweden) hat das Team beim Athletikcoach wieder ein autogenes Training eingefordert, weil sie vorher eine solch positive Erfahrung gemacht haben. Als Coach muss man offen sein und ab und zu neue Wege bestreiten.
Ein weiterer wichtiger Faktor, den man als Coach beachten sollte, ist Empathie für seine Mannschaft mitzubringen. Wenn die Spieler:innen die Halle betreten, sollte der Coach sich achten, wer mit erhobenem Haupt reinkommt und wer mit gesenktem Kopf die Halle betritt. In solchen Momenten sollte man dem Team etwas Neues bieten. Hier geht’s dann darum, das Gleichgewicht zu stören, neue Reize zu setzen, die Emotionen wie bspw. Lachen oder eine gute Stimmung auslösen können.
„In der zweiten Saisonhälfte arbeite ich vermehrt mit Medizinbällen und isometrischen Übungen, um gezielt Verletzungen vorzubeugen und Stabilität aufzubauen. Ich setze bewusst Tennisball-Übungen ein, um Koordination und mentale Präsenz zu fördern. Der Fokus liegt nicht mehr auf hundert Wiederholungen, sondern auf klaren Akzenten sowie Zielen. Single-Drills reduziere ich bewusst und arbeite vorwiegend mit Team-Drills. Von den Zuspielern erwarte ich zu diesem Zeitpunkt, dass sie auch aus schlechteren Annahmen Lösungen über Mitte oder Pipe finden können.“
In diesem Sinne: Wünschen wir euch viel Energie für die Rückrunde, Trainings mit klaren Zielen und eine nachhaltige sportliche sowie mentale Entwicklung.
Eure Next Gen Academy Coaches
Sarah, Tanja & Karin