Du hast es geschafft. Und dann? Ein paar Tage später ist es plötzlich ruhig. Fast zu ruhig. Keine Anspannung mehr. Kein Adrenalinkick. Kein grosses Ziel, das dich jeden Morgen aus dem Bett zieht. Statt Euphorie ist da auf einmal… Leere.
Viele junge Athlet:innen kennen dieses Gefühl, aber kaum jemand spricht offen darüber. Nach einem grossen sportlichen Erfolg kann genau das passieren:
Und genau hier ist wichtig zu verstehen: Mit dir ist nichts falsch. Diese Leere ist kein Zeichen von Schwäche. Sie ist oft die ganz natürliche Reaktion auf eine intensive Vorbereitungs- und Wettkampfzeit. Du warst über Wochen oder Monate extrem fokussiert, diszipliniert, emotional voll auf dein Ziel ausgerichtet. Dein Körper lief auf Spannung, dein Kopf auf Tunnelblick. Und wenn dieser Höhepunkt vorbei ist, fällt plötzlich all das weg.
Was bleibt, ist Stille. Diese Stille kann sich schwer anfühlen. Aber sie ist nicht dein Gegner. Sie ist ein Übergang. Ein Moment zwischen zwei Kapiteln.
Im Volleyball kann genau das passieren: Du erreichst ein grosses Ziel, aber die Saison ist noch nicht vorbei. Das Turnier ist zwar vorbei, der Alltag aber nicht. Der Körper steht physisch wieder in der Halle, aber dein Kopf ist mit seinen Gedanken noch beim letzten Highlight. Dann hilft ein neuer Blick auf die Situation. Du spielst jetzt nicht mehr nur für das nächste Resultat oder die nächste Medaille. Sondern du spielst, um dein sportliches Niveau zu halten. Du spielst, um konstanter zu werden. Du spielst, um weiter zu wachsen.
Erfolg ist kein Schlusspunkt. Erfolg ist dein nächstes Level.
Nicht jede Geschichte endet mit dem Podest, einer Medaille und mit Jubel. Manchmal verpasst du bspw. die SM-Qualifikation. Manchmal verlierst du das entscheidende Spiel, um eine Medaille zu gewinnen. Manchmal investierst du alles und bekommst am Ende trotzdem nicht das Resultat, das du dir so sehr gewünscht oder erträumt hast.
Und das tut weh. Richtig weh. Oftmals schmerzt das mehr als jeder Sprint, jede Landung, jede anstrengende Krafteinheit. Denn Niederlagen treffen dich direkt in deinem Herzen. Sie treffen deinen Stolz und dein Selbstvertrauen.
Nach einer Niederlage musst du nicht sofort „funktionieren“. Du musst auch nicht direkt wieder positiv denken. Enttäuschung darf da sein. Wut auch. Traurigkeit sowieso. Gib deinen Emotionen den nötigen Platz, um sie zu entsprechend zu verarbeiten.
Wer Gefühle wegdrückt, trägt sie oft länger mit sich herum als ihm lieb ist. Wer sie zulässt, gibt ihnen die Chance, sich zu lösen. Genau das ist wichtig für dich und auch fürs Team.
Versuche danach, deine Gedanken zu sortieren, ohne dich sofort zu verurteilen.
Denke also nicht: "Ich bin nicht gut genug." Sondern eher: "Was genau ist passiert? Wo waren wir stark? Wo gibt es noch Potenzial, um uns zu verbessern?"
Das ist ein riesiger Unterschied.
Nach intensiven Spielen oder bitteren Niederlagen ist nicht nur dein Denken aufgewühlt, sondern auch dein Nervensystem. Deshalb hilft es, nicht nur mental zu analysieren, sondern den Körper bewusst runterzufahren. Eine einfache Methode kann dabei Dynamind (auch ETF genannt) sein:
Zuerst benennst du ehrlich, was du aktuell fühlst. Zum Beispiel: Wut, Frust oder Enttäuschung. Dann klopfst du mit zwei Fingern abwechselnd links und rechts auf bestimmte Punkte, etwa unter dem Auge, auf das Schlüsselbein oder unter den Arm. Währenddessen machst du bewusst etwas, das dein Gehirn fordert: Laut zählen, die Monate rückwärts aufsagen oder eine Melodie summen. Warum das hilfreich sein kann? Weil dein Gehirn nicht gleichzeitig voll im Stressmodus bleiben und diese Aufgabe sauber ausführen kann. So entsteht oft ein spürbarer Reset. Hier geht's zum Erklärvideo von Laura Malina Seiler.
Danach richtest du dich neu aus: Mit einfachen, ehrlichen Sätzen wie:
Wichtig ist, dass sich diese Sätze echt anfühlen. Sanft. Realistisch. In deiner Sprache und in der Ich-Form. Das Ganze dauert nur wenige Minuten und kann vor Stresssituationen, nach emotionalen Spielen oder vor dem Schlafen sehr wirkungsvoll sein.
Gerade nach Niederlagen geben Rituale Halt. Sie helfen, das Spiel nicht einfach nur mitzuschleppen, sondern bewusst damit abzuschliessen.
Das kann ganz simpel sein:
Es geht nicht darum, Niederlagen schönzureden. Es geht darum, ihnen nicht die Kontrolle über deinen Kopf zu geben.
Nach grossen Enttäuschungen taucht oft genau diese Frage auf: Wozu mache ich das alles überhaupt? Die Antwort ist nicht kitschig. Sie ist ehrlich: Weil dein Wert nicht am Scoreboard hängt. Volleyball ist mehr als Gewinnen. Es geht um Entwicklung. Um Teamspirit. Um Disziplin. Um den Umgang mit Druck. Um das Comeback nach schwierigen Momenten. Um die Fähigkeit, wieder aufzustehen, obwohl es gerade weh tut. Genau dort kann Wachstum für Athlet:innen stattfinden.
Nicht nur in den Spielen, die sie gewinnen. Sondern oft vor allem in den Momenten, in denen sie entscheiden, trotzdem weiterzumachen. Die stärksten Spieler:innen sind nicht die, die immer glänzen. Sondern die, die sich nach Rückschlägen sammeln, den Kopf heben und wieder aufs Feld gehen.
Ob Sieg oder Niederlage, beides sagt etwas über dich aus. Der Sieg zeigt dir, was möglich ist. Die Niederlage zeigt dir, woran du wachsen kannst. Und die Stille danach? Die ist nicht leer. Sie ist der Raum, in dem du entscheidest, wie du weiterspielst. Wer du als Nächstes sein willst. Und was du aus all den Erfahrungen machen willst.
Bleib dran. Bleib mutig. Und vor allem: Bleib im Spiel.
See you on the court
Karin, Tanja und Sarah
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