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ANGRIFFSMÖGLICHKEITEN AM PASS: WENN DER 2. BALL ZUR WAFFE WIRD

Im Volleyball denken viele beim Angriff zuerst an harte Schläge über Aussen, schnelle Bälle durch die Mitte oder spektakuläre Pipe-Angriffe aus dem Rückraum. Doch eine der unterschätztesten Waffen liegt oft direkt in den Händen der Passeuse oder des Passeurs: Der zweite Ball.

Wenn eine Passeuse oder ein Passeur den zweiten Ball nicht nur vorbereitet, sondern selbst offensiv nutzt, verändert sich das Spiel sofort. Plötzlich muss die gegnerische Mannschaft nicht nur auf die Angreiferinnen und Angreifer achten, sondern auch auf die Person am Pass.

WARUM DER ANGRIFF AUS DEM ZUSPIEL SO WERTVOLL IST

Der grösste Vorteil ist das Überraschungsmoment. Viele Teams rechnen in der Standardsituation damit, dass der zweite Ball sauber auf eine Angriffsposition gespielt wird. Wenn die Passeuse oder der Passeur den Ball aber plötzlich direkt ins gegnerische Feld spielt, kippt die Situation in Sekundenbruchteilen. Die Abwehr ist oft zu spät, der Block nicht bereit, die Zuordnung unklar.

Dazu kommt ein taktischer Effekt: Eine aktive Passeuse oder ein aktiver Passeur kann den gegnerischen Block binden. Sobald der Block weiss, dass auch der zweite Ball gefährlich werden kann, darf er nicht mehr blind auf die Hauptangreiferinnen und Hauptangreifer spekulieren. Er muss die Person am Zuspiel respektieren. Das schafft mehr Raum für die eigentlichen Angriffe.

Und genau hier liegt der dritte grosse Vorteil: Das Team erhält eine zusätzliche Angriffsposition. Nicht nur Aussen, Mitte, Diagonal oder Rückraum sind gefährlich, sondern auch das Zuspiel selbst. Ein Team wird dadurch variabler, schwerer lesbar und deutlich unangenehmer zu verteidigen.

DIESE VARIANTEN MACHEN DEN 2. BALL GEFÄHRLICH

In unserem Video zeigen wir sechs Angriffsmöglichkeiten, mit denen Passeusen und Passeure den zweiten Ball aktiv nutzen können.

1. Passfinte mit beiden Händen
Die klassische Variante: Die Passeuse oder der Passeur täuscht ein normales Zuspiel an und legt den Ball mit beiden Händen kontrolliert ins gegnerische Feld. Besonders wirkungsvoll ist diese Variante, wenn der Block bereits in Bewegung ist oder die Feldverteidigung tief steht.

2. Einhändige Passfinte mit links
Diese Variante ist frecher, schneller und oft schwieriger zu lesen. Mit einer Hand wird der Ball kurz und präzise über das Netz gespielt. Vor allem mit links kann diese Bewegung für die Gegnerinnen und Gegner überraschend kommen, weil sie nicht wie ein klassisches Zuspiel aussieht.

3. Rückwärts-Passfinte
Statt den Ball nach vorne oder zur Seite zu spielen, wird er rückwärts kurz ins gegnerische Feld gelegt. Diese Variante ist besonders effektiv, wenn die gegnerische Verteidigung stark auf die offensichtliche Spielrichtung fokussiert ist.

4. Block ins gegnerische Feld
Ist der Ball nah am Netz, kann die Passeuse oder der Passeur aktiv mit den Händen über dem Netz arbeiten und den Ball direkt ins gegnerische Feld blocken oder drücken. Wichtig dabei: Timing, Körperspannung und ein gutes Gefühl für die Netzkante.

5. Langer Pass in die Ecke
Nicht jede Finte muss kurz sein. Ein langer, präziser Ball in die hintere Ecke kann extrem unangenehm sein, besonders wenn die gegnerische Abwehr nach vorne rückt oder mit einem kurzen Ball rechnet.

6. Angriffsball
Wenn die Situation passt, darf der zweite Ball durch die Passeuse oder den Passeur auch richtig angegriffen werden. Ein aktiver Schlag aus dem Zuspiel kann enorm effektiv sein, vor allem wenn der Ball optimal am Netz steht und die gegnerische Mannschaft nicht damit rechnet.

WANN EINE PASSFINTE KEINEN SINN MACHT

So wertvoll diese Varianten sind: Sie funktionieren nicht immer. Eine gute Passeuse oder ein guter Passeur muss erkennen, wann der Angriff beim zweiten Ballkontakt sinnvoll ist und wann nicht. Steht zum Beispiel ein grosser Blocker direkt vis-à-vis am Netz und wartet auf die Finte, ist das Risiko hoch, dass der Ball direkt geblockt wird. Auch wenn eine Libera bereits genau in dieser Zone steht und sichtbar auf den kurzen Ball wartet, verliert die Finte ihren Effekt.

Eine Passfinte lebt von Timing, Täuschung und Raum. Fehlt eines davon, ist oft das normale Zuspiel die bessere Entscheidung. Clever zu spielen bedeutet nicht, möglichst oft eine Finte zu spielen, sondern im richtigen Moment die perfekte Lösung zu wählen.

WARUM COACHES DIESE VARIANTEN TRAINIEREN SOLLTEN

Für Coaches ist es wichtig, Passeusen und Passeuren genügend Zeit zu geben, diese Angriffsvarianten im Training zu entwickeln. Solche Aktionen entstehen nicht einfach zufällig im Spiel. Sie brauchen Wiederholungen, Mut und ein klares Verständnis für Spielsituationen.

Die Spielerinnen und Spieler müssen lernen:
Wann ist der Block gebunden? Wo steht die Libera? Ist der Ball nah genug am Netz? Welche Zone ist frei? Wie viel Risiko ist in dieser Situation erlaubt?

Genau deshalb sollten Angriffsmöglichkeiten am zweiten Ball regelmässig ins Training eingebaut werden. Nicht als Showelement, sondern als echtes taktisches Werkzeug. Je sicherer eine Passeuse oder ein Passeur diese Varianten beherrscht, desto gefährlicher wird das gesamte Team.

FAZIT: DER 2. BALL KANN DAS SPIEL VERÄNDERN

Eine starke Passeuse oder ein starker Passeur verteilt nicht nur Bälle. Sie oder er liest das Spiel, setzt den Gegner unter Druck und erkennt, wann aus dem Zuspiel ein Angriff werden kann. Ob Passfinte mit beiden Händen, einhändige Finte, Rückwärts-Passfinte, Block ins gegnerische Feld, langer Ball in die Ecke oder direkter Angriffsball: Wer diese Varianten beherrscht, macht das eigene Spiel unberechenbarer und zwingt den Gegner zu mehr Aufmerksamkeit.

Schau dir jetzt das Video an, in dem wir die einzelnen Varianten Schritt für Schritt erklären und entdecke, wie du den zweiten Ball zur echten Angriffswaffe machst.